Erdkröte im Wasser mit reflektierenden Augen und BioDiversum-Logo.

Biotop-Blog

Auf dieser Seite halten wir euch auf dem Laufenden über alles rund um das BioDiversum. Wie geht es mit den Maßnahmen voran? Welche Tiere und Pflanzen gibt es zu sehen? Was ist sonst noch los? Hier erfahrt ihr alles!


17. Dezember 2025

Stein auf Stein – Leben zieht ein

Der Wind pfeift eiskalt über die Wiesen im BioDiversum. Am Vogelfutterhaus herrscht reges Treiben, Fuchs und Hase ziehen ihre Spuren im ersten Schnee. Und dann ist da dieser Steinhaufen, der aussieht wie vergessener Bauabfall – doch auch er ist im Winter voller Leben.

Winter im BioDiversum

Hase und Fuchs streifen durch den ersten Schnee in unserem Biotop. Auf dem zugefrorenen Teich kann es schon mal glatt werden...

Verstecktes Winterquartier

Der Lesesteinhaufen ist ein wichtiger Rückzugsort für unsere kleinsten Biotop-Bewohner: Spinnen, Wildbienen und Käfer schlummern in den trockenen Hohlräumen. Auch größere Besucher wie Erdkröten oder Blindschleichen finden hier Schutz vor Kälte und Feinden.

Wenn im Sommer die Sonne die Steine wärmt, verwandelt sich der Haufen in eine natürliche Sonnenterrasse: Eidechsen rekeln sich im Licht und das scheinbar tote Geröll summt und krabbelt.

Vom Acker zum Biotop

Normalerweise entstehen Lesesteinhaufen, wenn Landwirte von ihren Äckern störende Steine auflesen – und aufschichten. Wir machen es den Bauern nach: Aus den Resten der Baustelle von Turm 7 haben wir im letzten Jahr zwei Haufen aufgetürmt – einen sonnendurchflutet am Teich, den anderen schattig und feucht am Waldrand.

Noch sind keine Reptilien eingezogen, das braucht Geduld. Doch erste Insekten haben die neuen Wohnungen bereits entdeckt.

Ein Biotop zum Nachbauen

Wer selbst ein paar Steine übrig hat, kann leicht im eigenen Garten ein Biotop schaffen:

  • einen sonnigen oder halbschattigen Platz wählen
  • unterschiedlich große Steine locker aufschichten, nicht zu ordentlich
  • kleine Hohlräume offenlassen – sie sind die eigentlichen Wohnungen
  • den Haufen einfach sich selbst überlassen …
  • und beobachten, wie er über die Jahre lebendig wird

So wird aus einem unscheinbaren Steinhaufen eine Hochhaussiedlung für alles, was kreucht und fleucht.


20. November 2025

Warum der Boden bei uns summt

Die ersten Schneeflocken bedecken die Wiesen im BioDiversum, die bunten Blätter verschwinden allmählich und mit ihnen auch die erwachsenen Wildbienen. Ihr Nachwuchs aber schläft längst gut verpackt in warmen Verstecken: als Ei, Larve oder Puppe tief in hohlen Pflanzenstängeln, Totholz – oder, bei den meisten Arten, weit unten in der Erde. Für diese unterirdischen Kinderstuben brauchen viele Wildbienen etwas, das in unseren aufgeräumten Landschaften selten geworden ist: sonnige, offene Bodenstellen, frei von dichter Vegetation.

Genau solche Flächen entstanden nach Bauarbeiten am NMR III-Gebäude, unserem Teich und dem alten Kindergarten. Statt die vermeintlichen Brachflächen einzusäen, haben wir sie mit Absicht sich selbst überlassen. Seither liegen dort Streifen lockeren Bodens – den ganzen Tag in voller Sonne.

Was auf den ersten Blick nach vergessener Baustelle aussieht, ist im Sommer der Geheimtipp der hiesigen Wildbienen-Szene: Winzige runde Einfluglöcher übersäen den Boden, Sandbienen schießen hinein und hinaus, während ein immer bunterer Teppich aus spontan gekeimten Ruderalpflanzen für Nektarnachschub sorgt. Besonders beliebt ist der tiefblaue Natternkopf.

Dass solche scheinbar kargen Flächen Hotspots der Biodiversität sein können, bestätigt eine Studie der Universität Göttingen. In 19 Kalksteinbrüchen Südniedersachsens fanden die Biolog*innen 114 Wildbienenarten, darunter 35 gefährdete. Offenliegender, sonnenbeschienener Boden erwies sich als ein entscheidender Faktor. Wo Sträucher überhandnahmen, wurde das Summen schnell weniger.

Auch unsere kleinen Erdstreifen müssen wir deshalb im Auge behalten und regelmäßig von aufstrebenden Sträuchern befreien. Wer im eigenen Garten mithelfen möchte, braucht kein schweres Gerät. Eine kleine Stelle offenen Bodens, möglichst sonnig und ungestört, kann schon als Miniatur-Mehrfamilienhaus dienen. Lässt man dazu etwas „Unkraut“ wie Mauerpfeffer, Habichtskraut oder eben den Natternkopf stehen, gibt es auch gleich Verpflegung vor der Haustür.

Unser vermeintlicher Baustellenrest zeigt: Manchmal entsteht die größte Artenvielfalt dort, wo wir einmal nicht pflanzen und säen. Ein Stückchen unbepflanzter Boden wird so zur Kinderstube.


6. November 2025

Herbstinventur im BioDiversum

Wenn die Blätter bunt werden und die Nächte kühler, juckt es unsere Gärtner*innen in den Fingern – jetzt wird neu gepflanzt und gestaltet. Im feuchten Herbstboden schlagen junge Stauden und Sträucher besonders gut ihre Wurzeln – perfekte Bedingungen, um Altlasten loszuwerden. Auf der Streichliste ganz oben: die Forsythien, umgangssprachlich Goldglöckchen, vor unserer Energiezentrale.

Das Goldglöckchen mag im März ein gelbes Feuerwerk zünden, doch ökologisch gleicht es einem Pappmaché-Buffet, das täuschend echt wirkt, aber nichts zu essen bietet: Die gängigen Hybridzüchtungen liefern weder Nektar noch Pollen. Wildbienen sausen voller Hoffnung an, finden jedoch gähnende Leere und verschwenden wertvolle Energie in einer ohnehin schon knappen Jahreszeit.

Unsere Gärtner*innen rückten dem gelben Blender deshalb nun mit großen Gerätschaften und Häcksler zu Leibe und machten Platz für einen Neuzugang mit Mehrwert – den Schwarzen Holunder. Seine tellerförmigen Blütendolden, die ab Juni ihre Pracht zeigen, füllen eine Lücke im saisonalen Blühkalender und bieten reichlich Nahrung für hungrige Insekten. Wenn im Herbst dann die tiefvioletten Beeren reifen, stürzt sich eine ganze Vogelschar – von Amsel bis Zilpzalp – auf die reifen Früchte und übernimmt nebenbei kostenlos den Samentransport.

Ökolog*innen loben den Holunder längst als Mehrgenerationenhaus: Erst bedienen sich Insekten an den Blüten, später Singvögel an den Früchten, und selbst im Winter beherbergt das grobporige Holz Pilze wie das Judasohr samt zugehöriger Käfergesellschaft. Für uns bedeutet das: ein Strauch, viele Funktionen – und ein Paradebeispiel dafür, wie artenreiche Gehölze kahlen Zierpflanzen überlegen sind.

Natürlich ruhen wir uns nicht auf einem Holunderzweig aus. Nach und nach ersetzen wir verbliebene Altlasten durch heimische, ökologisch wertvolle Pflanzen, damit es überall summt, krabbelt und zwitschert.

Wer nun selbst aktiv werden will, liegt goldrichtig: Herbstpflanzungen schenken Sträuchern einen Wachstumsvorsprung und der Tierwelt schon im kommenden Frühjahr einen reich gedeckten Tisch. Also ran an die Spaten!


30. September 2025

Apfel-Kita statt Apfelkuchen – unsere Streuobstwiese wächst heran!

Überall in der Region wird derzeit eifrig gepflückt, geschüttelt und gekeltert: Die Obsternte läuft auf Hochtouren. Wir dagegen erfreuen uns weniger an reifen Früchten als an den Fortschritten unseres jungen Streuobst-Nachwuchses im BioDiversum.

Hinter dem Biotop-Teich recken zwölf Hochstämme ihre noch schlanken Äste gen Himmel – alte Apfelsorten wie Berlepsch und Boskoop, Birnenklassiker, Zwetschgen, Mirabellen und zwei Kirschbäume. Mit gerade einmal vier Jahren sind sie eher Kita-Kids als Kelterhelden. Sie müssen erstmal „erwachsen“ werden, also: Wurzeln schlagen und Lebensraum stiften für Insekten, Vögel, Fledermäuse und Co.

Warum das zählt, zeigt ein Nature-Artikel der Universität Göttingen. Laut Studie können mehrjährige, verholzte Nutzpflanzen, wie Obstbäume, gleich drei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Sie fördern Biodiversität, binden CO₂ und stärken die regionale Ernährung. Top nachhaltig also! Vorausgesetzt sie wachsen bunt gemischt und ohne Chemie – also als Streu­obstwiese statt Plantage.

Unser Reality-Check: Trockenheit und magerer Boden haben unseren jungen Bäumen zugesetzt; ein Baum hat kapituliert. Die Lücke füllt demnächst eine robuste Mispel – selten geworden, aber bei Insekten heiß begehrt.

Kurz: Unsere Wiese ist (noch) nicht bereit für eine Ernte, dafür ein Investment in Artenvielfalt und Klimaschutz. Wer frisches Streuobst mitnehmen möchte, findet dafür ausgewiesene öffentliche Wiesen in der Umgebung – dort können die Bäume die Ernte locker verkraften.

Wir hingegen gießen in Trockenphasen und träumen von dem Tag, an dem wir den ersten institutseigenen Saft verkosten. Bis dahin gilt: Bitte nur gucken, nicht pflücken. Die Wildbienen danken!

 


29. Juli 2025

Auf einen Drink an der Teich-Bar

Wer an heißen Sommerabenden am Faßberg-Campus unterwegs ist, hört es vielleicht schon von Weitem: ein aufgeregtes Platschen. Unser Biotop-Teich ist derzeit DIE Szene-Bar für durstige Waldbewohner – Reh, Fuchs und Dachs löschen hier ihren Durst.

Doch nicht jeder Gast kommt nur auf einen Drink vorbei… der Waschbär tappt inzwischen regelmäßig vor unsere Wildtierkamera. Nach gründlichem „Abtasten“ (er wäscht sich nicht wirklich, sondern sucht Futter) fischt er aus dem „Teichbuffet“, was die Pfoten hergeben. Für Amphibien in unserem Teich, wie die heranwachsenden Erdkröten oder Molche, ist das leider alles andere als eine Happy Hour.

Warum uns der gebietsfremde Waschbär in Deutschland Sorgen bereiten sollte, verdeutlicht eine deutsche Studie im International Journal for Parasitology. Im 20. Jahrhundert aus Amerika eingeschleppt und aus Pelztierfarmen entkommen oder ausgesetzt, breitet sich der anpassungsfähige Allesfresser seitdem in unseren Ökosystemen aus. Dabei macht er auch vor heimischen Vögeln, Insekten, Reptilien und Amphibien nicht Halt, wie die Studie anhand von Kot und Mageninhalt des Säugetiers zeigt. Insbesondere für gefährdete Amphibien wie die Erdkröte stellt der invasive Räuber eine signifikante Bedrohung dar.

Wer ist der Letzte an der Teich-Bar?

Heute zu Gast: ein schüchterner Dachs, ein Reh beim Selfie, ein Fuchs auf „Kneipentour“ und Waschbären beim Mitternachtssnack.

Zum Glück ist das Ufer unseres 2021 angelegten Teichs mittlerweile üppiger bewachsen und bietet den kleinen Amphibien durch dichtes Schilf und Wasserpflanzen viele Versteckmöglichkeiten. Wer zu Hause die Deckel von Kompost- und Mülltonnen sicher verschließt und Futternäpfe von Haustieren nachts reinholt, kann das Buffet für den gefräßigen Waschbären ebenfalls unattraktiv machen und so helfen, die Population in Schach zu halten.

Trotz des Waschbär-Problems bleibt unser Biotop-Teich ein Hotspot der Artenvielfalt: Libellen patrouillieren im Sonnenlicht, Wasserläufer tanzen Quickstep und Fledermäuse schnappen sich Mücken-To-Go. Kurz: Ohne unser kleines Gewässer gäbe es hier weder Teich-Bar noch Lebensraum für unzählige Arten. Also, Prost!


30. Mai 2025

Ein Festmahl für Insekten

Wer regelmäßig am Faßberg-Campus vorbeikommt, hat vielleicht schon die neu ausgesäte Wildblumenwiese an der Pforte entdeckt. Diese und die weiteren 1,65 Hektar Wiese im BioDiversum sind nicht nur ein Augenschmaus, sondern auch ein wichtiger Beitrag zur Förderung der Insektenvielfalt, wie eine Studie von Forschenden der Universität Wageningen (Niederlande) verdeutlicht.

Wildblumenwiesen sind ein wahres Paradies für Insekten. Sie bieten ein reichhaltiges Buffet für Schwebfliegen, Hummeln und zahlreiche spezialisierte Wildbienenarten. Die niederländische Studie zeigt, dass die Mischung des Saatguts entscheidend für die Attraktivität einer Wildblumenwiese ist. Unsere regionalen Saatgutmischungen mit über 30 Pflanzenarten haben sich bereits bewährt und im ersten Jahr über 100 Insektenarten angelockt.

Die Pflege solcher Wiesen ist jedoch anspruchsvoll. Ein- bis zweimal im Jahr mähen wir abschnittsweise mit einem Balkenmäher, um nährstoffliebende Gräser in Schach zu halten. Doch durch ungünstige Wetterbedingungen und den noch nährstoffreichen Boden haben die Gräser wieder die Oberhand gewonnen. Hier heißt es dranbleiben: Unsere Gärtner experimentieren mit individuell angepassten Saatgutmischungen und säen die Flächen nun Schritt für Schritt neu aus, um langfristig die Balance zwischen Gräsern und Wildblumen zu finden. Trotz der Trockenheit in diesem Frühjahr zeigt die Fläche an der Pforte bereits vielversprechende Fortschritte.

Auch ihr könnt in eurem Garten aktiv werden und die Artenvielfalt fördern. Wie wäre es mit einer bunt blühenden Wildblumenwiese, auf der es summt und brummt? Der NABU bietet hilfreiche Tipps, wie ihr selbst eine solche Wiese anlegt. Mit der NABU-App Insektensommer könnt ihr die Vielfalt der Insekten in eurem Garten entdecken. Seid dabei und macht euren Garten zu einem echten Festmahl für Insekten!


29. April 2025

BioDiversum trifft City Nature Challenge

Am 28. April trafen sich frühmorgens zwölf Naturbegeisterte zu einer Vogelführung in unserem BioDiversum. Unter der Leitung von unserem Kollegen und Hobby-Ornithologen Christian Dienemann erkundeten wir, ausgestattet mit Ferngläsern und gespitzten Ohren, die vielfältige Vogelwelt unseres Biotops. Über 20 verschiedene Arten konnten wir dabei entdecken – von Hausrotschwanz über Singdrossel bis hin zum Gartenbaumläufer.

Die Führung war Teil der City Nature Challenge, die vom 25. bis 28. April weltweit stattfand. Zum ersten Mal nahm Göttingen an dem internationalen „Bioblitz“ teil. Das Ziel der Challenge? Die Artenvielfalt in der Umgebung entdecken und so viele Tier-, Pflanzen- und Pilzarten wie möglich dokumentieren. Mithilfe moderner Apps konnten auch Ornithologie-Anfänger*innen die Arten im BioDiversum identifizieren und wir unsere Beobachtungen in die weltweite Datenbank iNaturalist.org eintragen – Citizen Science at its best!

Ein herzliches Dankeschön an alle, die mitgemacht haben! Wir hoffen, die City Nature Challenge hat euch inspiriert, die Natur in eurer Umgebung bewusster wahrzunehmen und aktiv zum Schutz der Artenvielfalt beizutragen. Nutzt die Gelegenheit, eure Umgebung weiterhin zu erkunden, Neues zu lernen und euer Wissen mit anderen zu teilen.

Möchtet ihr mehr darüber erfahren, wie ihr euch in Göttingen und Umgebung für den Artenschutz engagieren und vernetzen könnt? Dann schaut mal auf der neuen Plattform fokus-vielfalt.de vorbei.


10. April 2025

Ein Paradies aus Holz

Der Frühling zieht ins BioDiversum ein und die ersten Sträucher treiben aus. Doch was tun mit dem Schnittgut der letzten Monate? Unsere Gärtner hatten eine kreative Idee: Aus den übrig gebliebenen Zweigen entstand eine Totholzhecke, auch Benjeshecke genannt. Sie schmückt nun das Waldstück unterhalb der Kantine und wird hoffentlich bald zum Hotspot der Artenvielfalt.

In vielen Gärten dominiert makelloses Grün, doch diese Ordnung hat ihren Preis: Natürliche Verstecke und Nahrungsquellen schwinden. Unsere Benjeshecke setzt hier an, indem sie bewusst unordentlich ist. Totholzhecken bestehen aus locker aufgeschichteten Ästen und Zweigen, eingefasst von stabilen Holzpfeilern. Dieses vermeintliche „Abfallmaterial“ verwandelt sich im Laufe der Zeit in ein pulsierendes Ökosystem. Totholz ist kein „totes“ Holz, sondern ein Paradies für die heimische Tierwelt. In den Hohlräumen zwischen den Zweigen entstehen Mikrohabitate, die besonders artenreich sind. Es kann Tausende von Arten beherbergen, darunter Insekten wie die Blaue Holzbiene, Vögel wie den Zaunkönig, Igel und sogar Eidechsen, die hier Schutz und Nahrung finden – ein echter All-inclusive-Lebensraum!

Mit einfachen Mitteln lässt sich so ein artenreicher Lebensraum schaffen, der zudem als natürlicher Sichtschutz dient. Habt ihr euer Schnittgut noch nicht entsorgt? Probiert es doch mal mit einer eigenen Totholzhecke im Garten – je sonniger, desto besser! Mehr Infos zum Anlegen findet ihr auf der Seite des NABU.


18. März 2025

Wie überwintern eigentlich Insekten?

Während der kalten Jahreszeit sind nur noch wenige Insekten in unserem sonst so bunten Biotop zu sehen. Doch wo sind die Sechsbeiner stattdessen abgeblieben? Die Antwort ist von Tier zu Tier unterschiedlich.

Anpassungskünstler

Der Admiral (Vanessa atalanta) gehörte ursprünglich zu den Wanderfaltern und hat im Winter weite Strecken bis in den südlichen Mittelmeerraum, Nordafrika oder die westlichen Saharagebiete auf sich genommen. Mittlerweile ist der Schmetterling aber ein echter Anpassungskünstler. Während die meisten Arten nur in einem bestimmten Entwicklungsstadium – beispielsweise als Raupe – überwintern können, ist der Admiral flexibler. Einige von ihnen fliegen weiterhin in wärmere Regionen, doch immer mehr Admirale trotzen inzwischen der Kälte. Als Falter sucht er hierzulande am liebsten in dichten Efeupflanzen nach einem Unterschlupf. Dort ist er unter den immergrünen Blättern gut vor Frost und Nässe geschützt. Die Raupen des Admirals können einen milden und weniger frostigen Winter ebenfalls gut überstehen, bevor dann im April die ersten bunten Schmetterlinge schlüpfen und wieder durch unser BioDiversum flattern.

Starr vor Kälte

Libellen sind für ihre atemberaubende Flugtechnik bekannt, mit der sie im Sommer geschickt über unseren Biotop-Teich manövrieren. Doch mit dem Einbruch des Winters verschwinden sie fast vollständig. Bis auf die Winterlibelle sterben die erwachsenen Tiere anderer Arten im späten Herbst. Damit die schnellen Räuber auch im nächsten Jahr wieder an unserem Teich auf Jagd gehen können, legen sie ihre Eier vorher in Wassernähe an Pflanzen und Gräsern ab. Die Eier und Larven fallen dann in eine Winterstarre und überdauern so die kalte Jahreszeit, bis im Frühjahr die nächste Generation Libellen schlüpft.

                        

                      

 

Einzelkämpfer

Wildbienen sind ein häufiger und gern gesehener Gast in unserem Biotop, da sie einen wichtigen Beitrag zur Bestäubung unserer Pflanzen leisten. Im Gegensatz zu Honigbienen sind Wildbienen meist Einzelgänger und besitzen keinen Bienenstock, der sie im Winter vor den kalten Temperaturen schützt. Stattdessen greifen Wildbienen auf andere Überwinterungsstrategien zurück, die sich von Art zu Art unterscheiden. Die in unserem Biotop häufig anzutreffenden Sandbienen (Gattung Andrena) legen ihren Nachwuchs beispielsweise in Nestern im Boden ab. Für jedes Ei baut das Weibchen eine eigene Brutzelle und hinterlässt darin ausreichend Futtervorräte für ihre Larven. Diese verpuppen sich in einem Kokon, in dem sie den gesamten Winter verbringen. Im Frühjahr schlüpfen die jungen Sandbienen und verlassen ihr Bodennest. Andere Wildbienenarten nutzen alternative Überwinterungsstrategien: Sie suchen Unterschlupf in hohlen Pflanzenstängeln oder Baumhöhlen. Dort harren sie aus, bis die kalte Jahreszeit vorbei ist.

 

Nun steht der Frühling vor der Tür und wir freuen uns, schon bald wieder viele verschiedene Insekten in unserem Biotop beobachten zu können.


28. Februar 2025

Ein Zuhause für unsere Vögel

Wer von euch hat bei der „Stunde der Wintervögel“ mitgezählt? Bei dieser Mitmachaktion des NABU zählen Bürger*innen wie du und ich an einem Wochenende im Januar für eine Stunde die Vögel in ihren Gärten. Leider zeigen die diesjährigen Ergebnisse einen alarmierenden Rückgang: Allein die zehn in Niedersachsen häufigsten Singvogelarten wurden ein Fünftel seltener gesichtet.

Angesichts dieser Zahlen ist unser Engagement wichtiger denn je. In unserem BioDiversum haben wir viele Maßnahmen für unsere gefiederten Freunde umgesetzt: eine ganzjährig gut besuchte Vogelfutterstelle, einen Teich und insektenreiche Wildblumenwiesen als Nahrungsquelle, sowie Sträucher als Versteck- und Brutplätze.

Diesen Monat stand der jährliche „Hausputz“ unserer Nistkästen an: Unser Gärtner-Team entfernte altes Nistmaterial, damit die neuen Mieter vor Parasiten und Fressfeinden geschützt sind. Unsere fast 100 Nisthilfen sind jedes Jahr nahezu ausgebucht – und ebenfalls sehr beliebt bei Gartenschläfern für ihren Winterschlaf. Wir planen in Zukunft weiteren Wohnraum für Vögel zu schaffen.

Lediglich die Halbhöhlen für Rotkehlchen, Zaunkönig und Co. werden bislang verschmäht – womöglich stimmt die Wohnlage noch nicht. Eine neue Positionierung der Kästen soll die ungenutzten Wohnungen zukünftig attraktiver machen: windgeschützt und mit freiem Anflug für die werdenden Eltern.

Durch den Verlust natürlicher Lebensräume sind Futterstellen, Nistkästen und strukturreiche Flächen wahre Geschenke für unsere Vogelwelt. Also lasst uns gemeinsam dafür sorgen, dass unsere Gärten und Biotope sichere Rückzugsorte für Vögel bleiben!

Frühjahrsputz im BioDiversum


31. Januar 2025

Naturschutz ist Experimentieren

Obwohl erst Januar ist, erwacht unser Biotop bereits aus dem Winterschlaf. An der Vogelfutterstelle herrscht reges Treiben, die ersten Sträucher blühen, und unsere Gärtner sind aktiv im Einsatz.

Habt ihr schon einmal unser BioDiversum besucht? Wildblumenwiesen, Sträucher, offener Boden oder Lesesteinhaufen – unser Biotop besteht aus einem bunten Mosaik an Strukturen. Denn prinzipiell gilt: Je vielfältiger der Lebensraum, desto höher die Artenvielfalt – das zeigt unter anderem eine Studie von Forschenden der Universität Göttingen aus dem Jahr 2020. Durch Vielfalt finden verschiedenste Arten ihre persönliche Nische.

Die Studie verdeutlicht jedoch auch: Ökosysteme sind komplex. Jedes von ihnen ist einzigartig und manchmal funktionieren Maßnahmen, die den Lebensraum erhalten oder verbessern sollen, nicht wie geplant – auch bei uns. Letztlich bedeutet Naturschutz viel Ausprobieren und aus Fehlern lernen.

Wir arbeiten auf jeden Fall weiter daran, die Biodiversität rund ums Institut – und damit in Deutschland – zu fördern und zu schützen.

In den kommenden Monaten nehmen wir euch mit auf einen Rück- und Ausblick: Was läuft gut im BioDiversum? Wo sind wir noch am Experimentieren? Wie geht es weiter?


 

 

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