Marina Rodnina in die National Academy of Sciences gewählt

24. Mai 2022

Die US-amerikanische Wissenschaftsakademie ehrt die Direktorin am Max-Planck-Institut (MPI) für Multidisziplinäre Naturwissenschaften mit der Aufnahme als Auswärtiges Mitglied für ihre innovative Forschung zur Struktur und Funktion von Ribosomen – den Proteinfabriken der Zellen.

„Ich freue mich sehr über die Aufnahme in die Akademie und die damit verbundene Auszeichnung unserer Forschung. Ich habe das große Glück, mit einem wunderbaren Team zusammenzuarbeiten, das unsere erfolgreichen Arbeiten möglich macht“, so die Max-Planck-Direktorin.

Zusammen mit ihrer Abteilung Physikalische Biochemie hat Rodnina in den letzten Jahrzehnten bahnbrechende Methoden entwickelt, um zu untersuchen, wie Proteine produziert werden. Als „Werkzeuge“ sind diese an praktisch allen Vorgängen lebender Zellen beteiligt. Doch ihre Aufgaben können Proteine nur dann erfüllen, wenn sie fehlerfrei hergestellt werden. Eine zentrale Rolle übernehmen dabei Ribosomen. Sie lesen die Protein-Bauanleitungen, die in unserem Erbgut codiert sind, präzise ab und verknüpfen nach diesem Plan Aminosäuren miteinander zu langen Ketten. Schließlich muss sich diese Aminosäurekette noch in ihre korrekte dreidimensionale Struktur falten. 

Marina Rodnina gelang es, zentrale Prinzipien der Proteinherstellung in der Zelle aufzuklären. Dabei lieferte sie entscheidende Einblicke, wie Ribosomen arbeiten und wie sie sicherstellen, dass Proteine zur richtigen Zeit am richtigen Ort produziert werden. Mit ihrem Team entschlüsselte sie unter anderem, wie „Störfälle“ in der Proteinfabrik vermieden werden und welche Prozesse im Ribosom für die Qualitätskontrolle sorgen. Fehler bei diesem lebenswichtigen Prozess können fatale Folgen haben und sind Ursache vieler Krankheiten, darunter neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson und nicht zuletzt Krebs.

Nach Manfred Eigen, Erwin Neher, Reinhard Jahn, Stefan Hell und Patrick Cramer ist Marina Rodnina das sechste Mitglied des MPI für Multidisziplinäre Naturwissenschaften, das diese Auszeichnung erhält. (kr)

Über die Preisträgerin

Marina Rodnina studierte Biologie in Kiew (Ukraine) und wurde 1989 am Institut für Molekularbiologie und Genetik der Nationalen Akademie der Wissenschaft der Ukraine promoviert. Mit einem Stipendium der Alexander von Humboldt-Stiftung wechselte sie 1990 an die Universität Witten/Herdecke, wo sie von 1992 bis 1997 als wissenschaftliche Assistentin arbeitete. Nach ihrer Habilitation 1997 wurde sie dort zur Professorin ernannt und hatte von 2000 bis 2009 den Lehrstuhl für Physikalische Biochemie inne. 2008 wurde sie als Direktorin an das MPI für Multidisziplinäre Naturwissenschaften (bis Ende 2021 MPI für biophysikalische Chemie) in Göttingen berufen, wo sie seither die Abteilung Physikalische Biochemie leitet. Sie ist Mitglied der European Molecular Biology Organization und der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina. Für ihre Forschung erhielt sie zahlreiche Preise, darunter den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis, den Hans Neurath-Preis der Protein Society, die Otto-Warburg-Medaille der Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie sowie den Albrecht-Kossel-Preis der Gesellschaft Deutscher Chemiker.

Über die National Academy of Sciences

Die National Academy of Sciences wurde 1863 mit Abraham Lincolns Unterschrift als private, gemeinnützige Gesellschaft ins Leben gerufen. Sie besteht aus führenden Wissenschaftler*innen verschiedener Disziplinen, die die US-Regierung unabhängig und objektiv in wissenschaftlichen und technologischen Fragen beraten. Zusammen mit den diesjährigen aufgenommenen Forschenden zählt die Akademie nun 2.512 US-amerikanische sowie 517 internationale Mitglieder.

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