Patrick Cramer in die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften gewählt

14. Juni 2022

Die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (BBAW) zählt mit ihrer über 300-jährigen Geschichte zu den traditionsreichsten wissenschaftlichen Vereinigungen Europas. Patrick Cramer, Direktor am Göttinger Max-Planck-Institut (MPI) für Multidisziplinäre Naturwissenschaften, ist nun eines von 13 neu aufgenommenen Mitgliedern.

„Ich freue mich auf den interdisziplinären Austausch innerhalb der Akademie“, sagt Cramer. „Hier werden im Dialog viele Zukunftsthemen adressiert.“ Die BBAW beruft neue Mitglieder aller Fachrichtungen auf Grundlage ihrer herausragenden wissenschaftlichen Leistungen. Cramers Forschung dreht sich um eine zentrale Frage der Biologie: Wie steuern Zellen die Aktivität ihrer Gene? 

Mithilfe eines Kopiervorgangs – der sogenannten Gentranskription – erstellen lebende Zellen Abschriften ihrer Gene, die dann als Bauanleitung für die Produktion von Proteinen dienen. Cramer untersucht die molekularen Maschinen, RNA-Polymerasen genannt, die diesen Kopiervorgang steuern. Viele dieser Strukturen hat er mit seinem Team erstmals im atomaren Detail sichtbar gemacht. Den Forschenden gelang es damit, den ersten Schritt in der Aktivierung von Genen zu entschlüsseln und so grundlegende Prinzipien der Genregulation in Zellen aufzuklären. Diese Erkenntnisse tragen dazu bei, Infektionen und Krankheiten wie Krebs besser zu verstehen. Zuletzt klärten sie die Struktur der RNA-Polymerase von SARS-CoV-2 auf. Die Wissenschaftler*innen zeigten so, wie das Coronavirus sein Erbgut vermehrt. Außerdem konnten sie ermitteln, warum das Covid-19-Medikament Remdesivir zwar das Kopieren des viralen Erbguts stört, diesen Vorgang aber nicht vollständig blockiert.

 

Über den Preisträger

Patrick Cramer studierte Chemie in Stuttgart, Heidelberg, Bristol und Cambridge (Vereinigtes Königreich). Nach seiner Doktorarbeit am European Molecular Biology Laboratory in Grenoble (Frankreich) forschte er von 1999 bis 2001 beim späteren Nobelpreisträger Roger Kornberg an der Stanford University (USA). Als Professor für Biochemie wechselte er anschließend an die Ludwig-Maximilians-Universität München und leitete dort von 2004 bis 2013 das Genzentrum. Seit 2014 ist Cramer Direktor am Göttinger MPI für Multidisziplinäre Naturwissenschaften (bis zum 1.1.2022 MPI für biophysikalische Chemie) und leitet dort die Abteilung Molekularbiologie. Seit 1.1.2022 ist er auch der Geschäftsführende Direktors des Instituts. Für seine Forschung wurde Cramer vielfach ausgezeichnet, unter anderem erhielt er den Ernst-Jung-Preis für Medizin, den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis, den Louis-Jeantet-Preis für Medizin, die Otto-Warburg-Medaille sowie das Bundesverdienstkreuz. Er ist Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina und der US-amerikanischen National Academy of Sciences.

Über die Akademie

Die Tradition der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften geht zurück auf die Kurfürstlich Brandenburgische Sozietät der Wissenschaften, die Gottfried Wilhelm Leibniz im Jahr 1700 gründete. Zu ihren Mitgliedern gehörten unter anderem Jacob und Wilhelm Grimm, Wilhelm und Alexander von Humboldt, Lise Meitner, Albert Einstein und Max Planck. Heute zählt sie rund 400 Mitglieder aus Natur- und Geisteswissenschaften. Die Akademie hat sich der Förderung der Wissenschaften verschrieben, sie bietet Beratung für Politik und Gesellschaft und unterstützt den Dialog zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit.

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