Herbert Jäckle zum Mitglied der Chinese Academy of Sciences gewählt

8. Dezember 2021

Die Chinese Academy of Sciences (CAS) hat den Emeritus-Direktor Herbert Jäckle vom Göttinger Max-Planck-Institut (MPI) für biophysikalische Chemie als ausländisches Mitglied ernannt. Schon während seiner Zeit als Vizepräsident bei der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) setzte sich der Entwicklungsbiologe für die internationale Zusammenarbeit mit China zum Thema Wissenschaft ein.

Prof. Dr. Herbert Jäckle
 

Die CAS-Aufnahme ist die höchste akademische Auszeichnung für wissenschaftliche und technologische Forschung in China. Die Mitgliedschaft ist eine lebenslange Ehre, die in einem strengen und begrenzten zweijährlichen Wahlverfahren verliehen wird.

„Diese Ehrung freut mich sehr, weil sie zeigt, dass Wissenschaft international ist und der Austausch weder Grenzen noch politische Systemunterschiede kennt“, sagt der Emeritus-Direktor.

Jäckle förderte die Kooperationen zwischen der MPG und der CAS über viele Jahre nachhaltig. Als Vizepräsident der MPG setzte der emeritierte Max-Planck-Direktor mit kreativen Ideen wichtige Impulse in der deutschen und chinesischen Wissenschaftslandschaft sowie in der internationalen Zusammenarbeit. Auf seine Initiative hin entstand im Jahr 2005 das von der MPG und der CAS gemeinsam getragene Partnerinstitut für Computergestützte Biologie in Shanghai (China). Nicht zuletzt entwickelte Jäckle ein neues sehr erfolgreiches Konzept zur Nachwuchsförderung innerhalb der MPG. Dieses wird auch am Partnerinstitut in Shanghai umgesetzt, um dort junge talentierte Forschende früh in ihrer Karriere zu unterstützen. Für dieses internationale Engagement wurde der Entwicklungsbiologe zuvor schon zweimal von chinesischer Seite geehrt: 2013 erhielt er den Preis für Internationale Zusammenarbeit von der CAS sowie den Preis für internationale wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit von der Volksrepublik China.

Herbert Jäckle promovierte 1977 an der Universität Freiburg in Biologie. Anschließend forschte er an der University of Texas in Austin (USA), am European Molecular Biology Laboratory in Heidelberg und am MPI für Entwicklungsbiologie in Tübingen. 1987 wurde er Ordinarius für Genetik an der Ludwig-Maximilians-Universität München. 1991 wechselte er nach Göttingen an das MPI für biophysikalische Chemie, wo er als Direktor bis zu seiner Emeritierung 2017 die Abteilung Molekulare Entwicklungsbiologie leitete. Er ist als Emeritus-Direktor weiter am Institut aktiv. Seit 1993 ist er zudem Honorarprofessor an der Universität Göttingen.

Auf seinem Forschungsgebiet hat Jäckle bahnbrechende Erkenntnisse über die frühe Entwicklung der Fruchtfliege Drosophila melanogaster gewonnen. Diese Ergebnisse lieferten neue Ansätze, um beispielsweise Therapien für Fettleibigkeit und Diabetes zu entwickeln, deren Ursachen bei defekten Organstrukturen und -funktionen liegen. 1997 gründete Jäckle gemeinsam mit dem Zellbiologen und ehemaligen Max-Planck-Präsidenten Peter Gruss das Biotech-Unternehmen DeveloGen AG (heute Evotec AG), das daran arbeitet, die Erkenntnisse der beiden Forscher aus der Grundlagenforschung in die Anwendung zu bringen.

Herbert Jäckle erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen, darunter den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis (1986), den Otto Bayer-Preis (1992), den Louis Jeantet-Preis für Medizin (1999), den Deutschen Zukunftspreis (1999) und den Klaus Sander Preis (2019). Im Jahr 2010 wurde er mit dem Verdienstkreuz erster Klasse der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Der argentinische Staat ehrte ihn 2014 mit dem Luis Federico Leloir-Preis. Er hält Ehrendoktorwürden der Universität Konstanz, des Weizmann Institute of Science in Rehovot (Israel) und der Universität Basel (Schweiz) und ist Ehrenmitglied der American Academy of Arts and Sciences.

Über die Chinese Academy of Sciences

Die CAS ist die nationale Akademie für Naturwissenschaften, Mathematik und Ingenieurwissenschaften der Volksrepublik China und wurde 1949 gegründet. Sie betreibt mehr als 100 Forschungsinstitute in ganz China und ist mit knapp 48.500 Wissenschaftler*innen zugleich die größte Forschungseinrichtung der Welt. Über drei angegliederte Universitäten bildet sie junge Forschertalente aus und engagiert sich für die Nachwuchsförderung. Darüber hinaus setzt sich die CAS für internationale Zusammenarbeit ein, die sie als Erfolgsrezept sieht, um die Wissenschaft voranzubringen und globale Herausforderungen zu bewältigen. Neben dem CAS-MPG-Partnerinstitut für Computergestützte Biologie in Shanghai unterhält die chinesische Akademie 20 Kooperationsgruppen mit der MPG.

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