Von Einsamkeit, Zerstörungslust und Fledermäusen

20. August 2026

Neues aus Natur- und Gesellschaftswissenschaften: In der Reihe „Wissenschaft beim Göttinger Literaturherbst“ berichten elf Autor*innen über aktuelle Forschungsthemen. 

Auf den Punkt gebracht:

  • Termin: Die Vortragsreihe findet von Freitag, 2. Oktober bis Sonntag, 11. Oktober 2026, statt.
  • Themen: Fragen der modernen Grundlagenforschung kommen ebenso zur Sprache wie aktuelle politische und gesellschaftliche Entwicklungen.
  • Science-Communication-Medaille: Die Auszeichnung geht in diesem Jahr an den Philosophen Philipp Hübl. Er stellt sein Buch „Moralspektakel“ vor.

Fesselnde Themen aus der aktuellen Forschung allgemeinverständlich dargestellt – das bietet auch in diesem Jahr die Reihe „Wissenschaft beim Göttinger Literaturherbst“. Elf international renommierte Wissenschaftler*innen und Autor*innen präsentieren in der einzigartigen Atmosphäre der historischen Paulinerkirche im Herzen Göttingens ihre neusten Sachbücher. Veranstalter der Reihe sind die vier Göttinger Max-Planck-Institute, die Göttinger Literaturherbst GmbH sowie die Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek. Die Themen reichen von Einsamkeit bis Zerstörungslust, von Fledermaus bis schwarzes Loch, von Evolution bis Demokratie.

Künstliche Intelligenz 

Einer der Vorträge ist dem Thema „Künstliche Intelligenz“ gewidmet. Aus der Sicht einer Informatikerin geht Katharina Zweig den Fragen nach, was KI kann, was man von ihr erwarten darf – und wo sie an ihre Grenzen stößt. Beginnend mit den Grundlagen der künstlichen Intelligenz und des maschinellen Lernens führt der Vortrag rasch zu den aktuellen Sprachmodellen und erklärt, welcher Umgang und welche Einsatzfelder für die „textenden Kisten“ sinnvoll sind. 
Katharina Zweig: Weiß die KI, dass sie nichts weiß? (Montag, 5. Oktober 2026)

Neues aus den Naturwissenschaften und der Astronomie

Auch Themen der biologischen, physikalischen und astronomischen Grundlagenforschung finden sich in diesem Jahr im Programm. Dabei geht es um Fledermäuse, Evolution, die Geschichte des Universums und den Umgang mit dem Unvorhersagbaren.

Mit vielen eindrücklichen Beispielen aus der eigenen Feldforschung nimmt der Biologe Yossi Yovel die Zuhörenden mit in die Welt der Fledermäuse und Flughunde. Dabei geht es um Echoortung, nächtliche Flugmanöver und die bemerkenswerte soziale Intelligenz der einzigen fliegenden Säugetiere. Der Vortrag findet in englischer Sprache statt.
Yossi Yovel: The Genius Bat – The Secret Life of the Only Flying Mammal (Samstag, 3. Oktober 2026)

Galaxien, schwarze Löcher, Killer-Asteroiden und interstellare Besucher sind die Stars des Vortrages von Günther Hasinger. Der ehemalige ESA-Wissenschaftsdirektor und aktueller Gründungsdirektor des Deutschen Zentrums für Astrophysik trägt den aktuellen Stand der Forschung zusammen und erklärt, warum trotz immer leistungsfähigerer Teleskope bis heute viele Fragen zum Universum unbeantwortet sind.
Günther Hasinger: Die Geschichte des Universums (Mittwoch, 7. Oktober 2026)

Einen neuen Blick auf die Evolution wirft Dirk Brockmann: Nicht nur durch Kampf und Konkurrenz, sondern auch durch Zusammenarbeit und Symbiose kann das Überleben einer Art gesichert werden – und oftmals zu entscheidendem Fortschritt führen. So argumentiert der Wissenschaftler, der an der Schnittstelle zwischen Physik, Angewandter Mathematik und Biologie forscht.
Dirk Brockmann: Survival of the Nettest (Donnerstag, 8. Oktober 2026)

Wetter, Aktienkurse, Ausbreitung von Pandemien – in all diesen Systemen spielen die Unsicherheit und das Unvorhersagbare eine entscheidende Rolle. Der Klimaforscher und Physiker Tim Palmer erklärt, wie Erkenntnisse aus Chaosforschung, Neurowissenschaften und Quantenphysik helfen können, solche Systeme besser zu verstehen. Dieser Vortrag findet in englischer Sprache statt.
Tim Palmer: The Primacy of Doubt (Sonntag, 11. Oktober 2026)

Gesellschaftliche und politische Themen

Ein starker Fokus der Vortragsreihe liegt in diesem Jahr auf gesellschafts- und politikwissenschaftlichen Themen. Die Vorträge zeigen auf, welche wertvollen Beiträge Wissenschaft zu aktuellen gesellschaftlichen Debatten leisten kann. Dabei geht es um die großen Fragen unserer Zeit wie die aktuelle Bedrohung der Demokratie oder der Umbau des Staates für die anstehenden Herausforderungen der Zukunft, aber auch um geradezu privat wirkende Themen wie „Einsamkeit“ und „Zuhören“. Diese betreffen auf den ersten Blick nur einzelne Personen oder kleine Gruppen – entfalten aber eine wichtige gesellschaftliche Dimension. 

Deutschland erlebt eine Einsamkeitsepidemie. Junge Männer sind besonders betroffen. Und die zunehmende Digitalisierung verstärkt das Problem. Oder stimmt das alles gar nicht? Ausgehend von Erkenntnissen aus der Psychologie und empirischen Forschung nimmt sich die Psychologin Maike Luhmann in ihrem Vortrag der Einsamkeit an. Sie entwirft ein Bild, wie gesellschaftliches Zusammenleben aussehen müsste, um mehr Gemeinschaft und Zugehörigkeit zu ermöglichen.
Maike Luhmann: Einsamkeit – Warum sie uns alle betrifft (Freitag, 2. Oktober 2026)

Philipp Hübls aktuelles Buch „Moralspektakel“ beleuchtet, wie moralische Debatten heute öffentlich geführt werden und wo Moral in Inszenierung, Empörung und Abgrenzung umschlägt – und dadurch den Weg zu echter Auseinandersetzung verbaut.
Philipp Hübl: Moralspektakel – Wenn Haltung zum Statussymbol wird (Sonntag 4. Oktober 2026)

Warum wenden sich immer mehr Menschen – ob in den USA oder in Deutschland – autoritären Bewegungen zu? Was zieht sie zu diesem „selbstgewähltem Faschismus“? Diesen Fragen gehen die Soziologin Carolin Amlinger und der Wirtschafts- und Gesellschaftswissenschaftler Oliver Nachtwey nach. In ihrer wissenschaftlichen Ursachenforschung finden sie vor allem Enttäuschte: Personen, deren enttäuschte Hoffnungen umschlagen in Zerstörungslust.
Carolin Amlinger, Oliver Nachtwey: Zerstörungslust – Elemente des demokratischen Faschismus (Dienstag, 6. Oktober 2026)

Um Lösungsansätze zu drängenden Problemen unserer Zeit geht es am Freitag, 9. Oktober 2026. Patrick Cramer, Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, begrüßt Julia Jäkel, eine der Autorinnen des Abschlussberichtes der stiftungsgetragenen Initiative für einen handlungsfähigen Staat. Welche Reformen bei Bildung und Verwaltung sind nötig, damit der demokratische Aufbruch gelingen kann?
Julia Jäkel: Initiative für einen handlungsfähigen Staat (Freitag, 9. Oktober 2026)

In den sozialen Medien werden wir mit Inhalten, Meinungen und Ansichten überschwemmt. Doch echtes Einander-Zuhören und Miteinander-Reden ist das nicht. Wie gelingt es, sich wieder wirklich mit anderen Weltsichten auseinanderzusetzen, Verständnis für sie zu zeigen und eigene Überzeugungen in Frage zu stellen? Diese Fragen stellt der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen.
Bernhard Pörksen: Zuhören – Die Kunst, sich der Welt zu öffnen (Samstag, 10. Oktober 2026)

Verleihung der Science-Communication-Medaille

Die Science-Communication-Medaille geht in diesem Jahr an den Philosophen Philipp Hübl. In zahlreichen, allgemeinverständlichen Büchern gelingt es Hübl immer wieder, komplexe philosophische und wissenschaftliche Konzepte an gesellschaftlich brennende Debatten zu koppeln. Das macht abstrakte Theorie wie Erkenntnistheorie, Sozialpsychologie oder Moralphilosophie auch für Fachfremde unmittelbar erfahrbar. Die Medaille wird im Rahmen des Vortrages verliehen.

Termine und Preise

Veranstaltungsort und -zeit der Vorträge der Reihe „Wissenschaft beim Göttinger Literaturherbst“ ist die Paulinerkirche, Papendiek 14 in Göttingen, jeweils um 19 Uhr.

Tickets für die Vorträge gibt es online unter www.literaturherbst.com und www.reservix.de sowie an den üblichen Vorverkaufsstellen. Die Tickets kosten 19 Euro (16 Euro ermäßigt). Mit dem ON AIR-Ticket zum Preis von 29 Euro erhalten Sie online Zugang zu allen Veranstaltungen des Literaturherbsts – live und in der Mediathek.

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