Melina Schuh als Fellow in die Royal Society gewählt

27. Mai 2026

Die Biochemikerin Melina Schuh, derzeitige Geschäftsführende Direktorin am Max-Planck-Institut (MPI) für Multidisziplinäre Naturwissenschaften, ist als Fellow in die britische Royal Society aufgenommen worden. Die Royal Society würdigt damit ihre herausragenden Beiträge in der Eizellforschung.

In unserer heutigen Gesellschaft entscheiden sich Paare häufig erst spät für Nachwuchs. Doch dieser Aufschub ist nicht ohne Risiken: Mit dem Alter nimmt die weibliche Fruchtbarkeit ab. Die häufigste Ursache dafür sind Fehler während der Meiose, bei der die Eizelle ihren Chromosomensatz halbiert, denn dieser Prozess ist fehleranfällig. „Werden die Chromosomenpaare während der Meiose nicht richtig getrennt, kann es passieren, dass die reife Eizelle zu viele oder zu wenige Chromosomen erhält“, erläutert Schuh. „Wird eine solche Eizelle befruchtet, kann sich das auf den Verlauf der Schwangerschaft und die Gesundheit des Kindes auswirken und zu Fehlgeburten oder Unfruchtbarkeit führen.“

Melina Schuh erforscht mit ihrem Team, wie es bei der Halbierung des Chromosomensatzes zu Fehlern kommt. Die Forschenden konnten zeigen, dass Chromosomen oft nicht korrekt an die zelluläre Maschinerie gebunden sind, die die Chromosomenpaare trennt. Außerdem fanden sie heraus, dass die Chromosomen in den Eizellen mit zunehmendem Alter der Frau instabil werden. Beides trägt neben weiteren von ihrem Team gefundenen Faktoren zur Fehleranfälligkeit der Meiose bei und bewirkt, dass reife Eizellen eine falsche Chromosomenzahl enthalten können. Die Erkenntnisse von Schuhs Forschung könnten Frauen in ihren späten 30ern und frühen 40ern zukünftig dabei helfen, ihren Kinderwunsch zu erfüllen und auch die Erfolgschancen der In-vitro-Fertilisation verbessern.  

In die britische Royal Society werden die renommiertesten Naturwissenschaftler*innen, Ingenieur*innen sowie Technologie-Expert*innen auf Lebenszeit gewählt. Schuh ist eine von über 90 Forschenden weltweit, die ab 2026 den Titel „FRS“ („Fellow of the Royal Society“) führen. „Unsere Gemeinschaft wird nicht nur durch die herausragenden Leistungen einzelner Mitglieder gestärkt, sondern auch durch die Vielfalt der Perspektiven und Erfahrungen, die ihre Mitglieder einbringen“, sagte Royal Society Präsident Sir Paul Nurse. „Die neuen Fellows verdeutlichten den wahrhaft internationalen Charakter der modernen Wissenschaft. Dieser Aspekt spiele eine entscheidende Rolle beim Erzielen von Durchbrüchen, von denen wir alle profitierten.“

Neben Melina Schuh wurden in diesem Jahr vier weitere Direktor*innen der Max-Planck-Gesellschaft in die Royal Society gewählt:  Ramin Golestanian vom MPI für Dynamik und Selbstorganisation, Gilles Laurent vom MPI für Hirnforschung, Ruth Ley vom MPI für Biologie und Sami K. Solanki vom MPI für Sonnensystemforschung. (vl)

Über Melina Schuh
Melina Schuh studierte Biochemie an der Universität Bayreuth, forschte am European Laboratory of Molecular Biology (EMBL) in Heidelberg und wurde 2008 von der Universität Heidelberg promoviert. Im Anschluss wechselte sie nach Cambridge (Vereinigtes Königreich), wo sie von 2009 bis Ende 2015 als Gruppenleiterin am MRC Laboratory of Molecular Biology tätig war. Seit Januar 2016 ist sie Direktorin am MPI für Multidisziplinäre Naturwissenschaften und leitet dort die Abteilung Meiose. 2023 ernannte sie die Universität Göttingen zur Honorarprofessorin. Für ihre Arbeiten wurde Schuh vielfach ausgezeichnet, darunter mit dem Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der EMBO Gold Medal, der Colworth-Medaille der Biochemical Society, dem Science Breakthough 2025 der Falling Walls Foundation und der Carus-Medaille der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, deren Mitglied sie seit 2019 ist.
 
Über die Royal Society und ihre Fellowships
Die 1660 gegründete Royal Society ist die weltweit älteste Wissenschaftsakademie, die ununterbrochen besteht. Ihr grundlegender Zweck besteht darin, wissenschaftliche Spitzenleistungen anzuerkennen, zu fördern und zu unterstützen sowie die Entwicklung und Nutzung der Wissenschaft zum Wohle der Menschheit voranzutreiben. Mitglieder werden als Fellow of the Royal Society (kurz FRS auf Lebenszeit. Insgesamt hat die Royal Society über 8.000 Mitglieder. Unter den ehemaligen Mitgliedern finden sich einige der berühmtesten Namen der Wissenschaftsgeschichte wie Isaac Newton, Charles Darwin, Albert Einstein oder Lise Meitner.
 

 

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