Hightech made by Max Planck
2025: ein erfolgreiches Jahr für Max-Planck-Ausgründungen
Das Start-up planqc, das einen leistungsfähigen und zuverlässigen Quantencomputer entwickelt, erhielt den Deutschen Gründerpreis und Proxima Fusion warb 130 Millionen Euro für die Entwicklung eines Fusionskraftwerks ein. Für 14 neugegründete Start-ups der Max-Planck-Gesellschaft fiel 2025 der Startschuss. Die MPG präsentiert sieben von ihnen im Detail; darunter die MPI-NAT-Ausgründung OvoLabs.
Sie stellen Elektronenmikroskope her, die Wechselwirkungen von Quanten beobachten, verbessern die Erfolgschancen bei künstlicher Befruchtung, erleichtern die Medikamentendosierung oder automatisieren die Ernte von landwirtschaftlichen Erzeugnissen. So vielfältig die Grundlagenforschung an den 84 Instituten der Max-Planck-Welt ist, so vielfältig sind die Anwendungen, die die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für ihre Arbeit entwickeln. Für die Gründerinnen und Gründer der Beginn einer aufregenden Reise: raus aus dem Labor, rein in die Geschäftswelt – vom Forschenden zum Entrepreneur.
Sieben Ausgründungen im Porträt
Aplusia – KI für Biowissenschaften und Arzneimittelforschung
Das Spin-off Aplusia, eine Ausgründung des Max-Planck-Instituts für Biochemie, unterstützt Biotech- und Pharmaunternehmen beim Aufbau von Dateninfrastrukturen, bei der Entwicklung von Auswertungsalgorithmen und beim Training von KI-Modellen. Großskalige Daten transformieren die Arzneimittelforschung: Einzelzelldatensätze im dreistelligen Millionenbereich, Fortschritte in der Strukturvorhersage und im Co-Folding sowie designte Proteine prägen die Entwicklung bis hin zur Anwendung im klinischen Bereich. Ein zentraler Treiber ist die massenspektrometriebasierte Proteomik, die Tausende Proteine hochsensitiv und mit großem Durchsatz quantifiziert. Das Gründerteam, bestehend aus Georg Wallmann und Christoph Wichmann, vereint Expertise in den Bereichen maschinelles Lernen und Proteomik. Ziel ist es, diese Daten für Strukturmodelle, Wirkstoffscreenings, designte Proteine sowie PROTACs und Molecular Glues nutzbar zu machen.
Weitere Informationen finden Sie unter: Aplusia
MechSyn – neue Materialien mit überlegenen Eigenschaften
Das Spin-off MechSyn, eine Ausgründung des Max-Planck-Instituts für Kohlenforschung, hat sich auf die Entwicklung von Hochleistungswerkstoffen durch Mechanochemie spezialisiert. Die Mechanochemie bietet eine Alternative zur Synthese von Festkörpermaterialien. Bei diesem Verfahren werden chemische Reaktionen in einem einstufigen Prozess ausschließlich durch mechanische Kräfte angetrieben. Dadurch werden hohe Temperaturen, hohe Drücke und Lösungsmittel, die bei der herkömmlichen Materialsynthese normalerweise erforderlich sind, überflüssig. Die Verwendung von Hightech- und fortschrittlichen Materialien sowie die vollständige Elektrifizierung der Produktions- und Recyclingprozesse werden somit Realität. Das Team konzentriert sich auf die Herstellung von Hochleistungsmaterialien für Katalysatoren, Katalysatorträger und leitfähige Materialien für verschiedene kritische Anwendungen. Darüber hinaus arbeitet das Team daran, die Mechanochemie als Plattformtechnologie für die moderne Materialsynthese zu etablieren und die dafür benötigten Maschinen und Produktionsplattformen zu entwickeln, um diese Prozesse zu industrialisieren.
Weitere Informationen finden Sie unter: MechSyn
Oraclase – Autonome Lasermaterialbearbeitung
Oraclase ist ein Technologie-Start-up, das aus dem Max-Planck-Institut für Informatik hervorgegangen ist. Das Unternehmen hat sich zum Ziel gesetzt, die Landschaft der Lasertechnologie mit seiner weltweit ersten integrierten KI-Lösung neu zu gestalten. Das Unternehmen möchte seine einzigartigen KI-Fähigkeiten nutzen, um laserbasierte Anwendungen zur Materialbearbeitung zu revolutionieren. In einem ersten Schritt hat Oraclase ein innovatives Laserverfahren entwickelt, mit dem sich detaillierte Farbbilder auf Metalloberflächen erzeugen lassen, indem das Material selektiv erhitzt wird – ohne dass Drucker oder Pigmente erforderlich sind. Für dieses nachhaltige Produktionsverfahren, bekannt als „Farblasermarkierung“, nutzt Oraclase eine patentierte Lasersoftware. Der Algorithmus nutzt KI, um die optimalen Prozessparameter automatisch zu ermitteln. Dadurch werden die Produktionsgeschwindigkeit und -qualität erhöht, sodass dieses Verfahren auch für großtechnische Anwendungen geeignet ist.
Weitere Informationen finden Sie unter: Oraclase
Ovo Labs – Hoffnung für kinderlose Paare
Die Gründenden Agata Zielinska, Melina Schuh und Oleksandr Yagensky von Ovo Labs möchten mit ihrem Start-up die Reproduktionsmedizin revolutionieren. Ab dem 35. Lebensjahr sinkt die Fruchtbarkeit von Frauen, während das Risiko für Fehlgeburten steigt – vor allem wegen Eizellen mit veränderter Chromosomenzahl, die mit dem Alter zunehmen. Dies reduziert die Chancen auf eine Schwangerschaft erheblich. Ovo Labs arbeitet an neuartigen Therapeutika, die die Qualität menschlicher Eizellen verbessern sollen. Diese Wirkstoffe zielen darauf ab, Frauen eine längere Fruchtbarkeit zu ermöglichen und die Erfolgsraten bei Schwangerschaften sowie künstlichen Befruchtungen zu erhöhen. Das Team verfolgt das Ziel, die neuen Therapien nach der Zulassung problemlos in die bestehenden Behandlungsabläufe der künstlichen Befruchtung zu integrieren – ohne zusätzlichen Aufwand oder Belastung für die Patientinnen.
Weitere Informationen finden Sie unter: Ovo Labs
Polybot – Mit KI die Landwirtschaft revolutionieren
Polybot ist ein vierbeiniger Roboter, der eines Tages regenerative Agrarökosysteme, wie beispielsweise Permakulturen, bewirtschaften können soll. Er erkennt Unkraut mithilfe modernster Computer-Vision-Technologie, jäten es, gießt Pflanzen optimal dosiert, erntet Tomaten oder Gurken und schneidet die Pflanzen nach Saisonende schonend zurück. Der Roboter, der einem Hund ähnelt, könnte eines Tages in der Lage sein, die Kosteneffizienz nachhaltiger Anbauformen drastisch zu erhöhen und deren Leistung erheblich zu steigern. Zudem könnte er eine Bewirtschaftung von schwer zugänglichem Terrain ermöglichen.
Weitere Informationen finden Sie unter: Polybot
QuantiLight – Arzneimittelüberwachung aus dem Wohnzimmer
Bluttests spielen für viele Menschen eine wichtige Rolle, insbesondere für chronisch Erkrankte, die täglich Medikamente einnehmen müssen. Hier sind regelmäßige Untersuchungen des Medikamentenspiegels notwendig. Das sogenannte Therapeutische Drug Monitoring (TDM, Arzneimittelüberwachung) stellt sicher, dass jede Patientin und jeder Patient die richtige Dosis zum richtigen Zeitpunkt erhält. Der derzeitige Prozess ist jedoch langsam und zentralisiert. Die Patientinnen und Patienten müssen zur Blutabnahme ins Krankenhaus kommen, wo das Blut im Labor analysiert wird. Die Ergebnisse liegen oft erst nach Tagen vor, was Behandlungsentscheidungen verzögert. QuantiLight will das ändern. Das Team hat eine In-vitro-Diagnoseplattform entwickelt, die das TDM direkt nach Hause bringt. Der Test basiert auf der Biolumineszenz-Sensortechnologie des Max-Planck-Instituts für medizinische Forschung und liefert innerhalb von 15 Minuten verwertbare Ergebnisse. Dadurch kann medizinisches Fachpersonal die Medikamentendosis schnell und genau anpassen. Die Auswirkungen sind klar: schnellere Erkenntnisse, geringere Kosten und das Potenzial, Komplikationen zu reduzieren.
Weitere Informationen finden Sie unter: QuantiLight
Soxogen Bio – Spenderorgane aus Stammzellen
Soxogen Bio ist ein Spin-off des Max-Planck-Instituts für Molekulare Biomedizin. Das Unternehmen basiert auf einem neuartigen, gentechnisch entwickelten „Super-Reprogrammierungsfaktor“, der die Erzeugung von Stammzellen mit erhöhter Entwicklungspotenz ermöglicht. Soxogen Bio entwickelt eine mRNA-basierte Technologie zum gezielten „Reset“ von Stammzellen. Damit sollen bislang schwer zugängliche Zelltypen erschlossen, die Differenzierungsausbeute deutlich gesteigert und die Einheilung (Engraftment) von Zelltherapien verbessert werden. Aufbauend auf seiner mRNA-Plattform verfolgt Soxogen zudem innovative Ansätze zur direkten Verjüngung gealterter menschlicher Gewebe.
Vom Labor zum Erfolg
Die vierzehn Gründungsteams wurden und werden von dem Team der Max-Planck-Innovation GmbH (MPI) unterstützt. Die hundertprozentige Tochtergesellschaft ist in der Max-Planck-Gesellschaft für den Technologietransfer zuständig. Die Kolleginnen und Kollegen begleiten die Forschenden bei sämtlichen Belangen der Unternehmensgründung. Angefangen bei der Beratung zu Fragen des Patent- und Lizenzrechts bis hin zur Anschubfinanzierung in Form einer Pre-Seed-Finanzierung, die auch dank der Unterstützung durch die Max-Planck-Förderstiftung zustande kommt.
Die beiden Geschäftsführer Christoph Hüls und Bram Wijlands blicken zufrieden auf das Jahr 2025 zurück: „Der Trend zeigt weiter nach oben. Mit unseren vierzehn Ausgründungen haben wir deutlich mehr als im Jahr 2024 erreicht. Zukünftig wollen wir die Validierung und das Scouting noch stärker in den Fokus rücken. Die Validierung der frühen wissenschaftlichen Ergebnisse nach Industriestandard ist ein wichtiger Schritt zu finanzierbaren und nachhaltigen Firmengründungen“, so Wijlands. Der neue „European Spinout Report 2025“ gibt ihnen Recht. Er zeigt, dass die Max-Planck-Gesellschaft in der oberen Liga des Tech-Transfers aus der Grundlagenforschung erfolgreich mitspielt. Bei der Zahl der Einhörner sowie beim Kapitalwert der Ausgründungen führt Max Planck mit vier Einhörnern und einer Gesamtbewertung von über 67 Milliarden US-Dollar sogar das Feld an. Auch Christoph Hüls, der als Co-Geschäftsführer für Lizenzen und Patente verantwortlich ist, kann zufrieden sein. Eine aktuelle Studie des Europäischen Patentamtes bestätigt, dass die Max-Planck-Gesellschaft zu den zehn Forschungseinrichtungen in Europa gehört, die an den meisten Patentanmeldungen beteiligt sind.
„Dennoch brauchen wir mehr Start-ups in Europa”, sagt Hüls. „Unsere Gesellschaft benötigt auf gesamtwirtschaftlicher Ebene eine viel breitere Gründerlandschaft, um aus exzellenter Wissenschaft mehr Wert zu schaffen.“ Für einen Transfer und eine Skalierung im großen Stil ist ein europäischer Kapitalmarkt erforderlich, der mit den globalen Platzhirschen mithalten kann. Denn während in frühen Finanzierungsphasen fast 90 Prozent des Kapitals aus Europa stammen, kommt in späteren Runden fast die Hälfte der Mittel von außerhalb, vor allem aus den USA. Seit 2019 haben US-Unternehmen und -Fonds beinahe 24 Milliarden US-Dollar an Wert aus europäischen Spin-offs erworben. Nur mit besseren Rahmenbedingungen können Wertschöpfung und Wachstum in Europa erhalten bleiben. Hier ist die Politik gefragt. Im Gegenzug investieren Forschungseinrichtungen wie die Max-Planck-Gesellschaft verstärkt in Programme, die Forschende frühzeitig für die Unternehmerrolle qualifizieren. Zudem geht sie neue Wege bei der Validierung von Ideen, die den direkten Weg in den Markt finden sollen.
