Werner-von-Siemens-Ring 2022 an Wegbereiter der mRNA-Wirkstoffe und der Nanoskopie verliehen

31. Januar 2022

Für bahnbrechende Leistungen in den technischen Wissenschaften zeichnet die Stiftung Werner-von-Siemens-Ring in diesem Jahr den Max-Planck-Forscher Stefan Hell sowie die BioNTech-Köpfe Uğur Şahin, Özlem Türeci, Christoph Huber und Katalin Karikó aus. Die eigens für die Forschenden angefertigten Ringe werden ihnen am 13. Dezember 2022 in Berlin überreicht.

Die BioNTech-Wissenschaftler*innen haben mit ihrer erfolgreichen Arbeit an mRNA-Wirkstoffen ein neues Zeitalter der Medizin begründet. Dem Physiker und Nobelpreisträger Stefan Hell wiederum sei es gelungen, mit der neuartigen Superauflösungsmikroskopie lebende Zellen auf molekularer Ebene zu beobachten, begründete die Stiftung ihre Entscheidung für die Verleihung der Preise. „Mit dem Werner-von-Siemens Ring ausgezeichnet zu werden, erfüllt mich in Anbetracht aller anderen Ringträger mit Stolz und Demut zugleich. Ebenso ist es eine Anerkennung für meine Mitstreiter, Doktoranden und Postdoktoranden, die über Jahre zu diesem Erfolg beigetragen haben“, sagt Preisträger Stefan Hell.

Dem Physiker gelang es mit der von ihm entwickelten STED-Mikroskopie erstmals, die Beugungsgrenze des Lichts zu überwinden. STED-Mikroskope erreichen eine Auflösung von bis zu 20 Nanometern, rund zehn Mal schärfer als herkömmliche Geräte. Hell revolutionierte damit die Fluoreszenz-Lichtmikroskopie und wurde dafür 2014 mit dem Nobelpreis für Chemie geehrt. Aufbauend auf dem STED-Prinzip steigerte der Max-Planck-Forscher mit seinem Team die Auflösung mit der MINFLUX- und MINSTED-Methode seitdem noch einmal um das Zehnfache. Mithilfe dieser Weiterentwicklungen lassen sich auch unmittelbar benachbarte Moleküle lichtmikroskopisch voneinander trennen – bis hin zu einer Auflösungsgrenze von einem Nanometer. Die Mikroskope können so selbst dicht gepackte Strukturen in Organellen von Zellen sichtbar machen. Biomoleküle, die sich in der Zelle bewegen, sind bis zu 100-mal schneller verfolgbar, als es mit bisherigen Methoden möglich war.

„Diese Techniken lassen weitere aufregende Entdeckungen und Einsichten in den Lebens- und Materialwissenschaften erwarten“, betont der Stiftungsratsvorsitzende Joachim Ullrich. Stefan Hell verbinde in vorbildlicher Weise wissenschaftliche Exzellenz mit hoher Innovationskraft in technischen Entwicklungen.

Um ihre Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung schnell in die Anwendung zu bringen, gründete der Physiker 2012 mit Mitarbeitern aus seinem Team die Unternehmen abberior und abberior Instruments. Die Unternehmensgruppe vermarktet die weltweit einzigen Lichtmikroskope mit molekularer Hochauflösung. Die MINFLUX-Methode beispielsweise schaffte es in weniger als vier Jahren von der wissenschaftlichen Erstveröffentlichung bis zur Markteinführung. Mittlerweile ist abberior mit rund 100 Mitarbeitenden in Europa, Nordamerika und China vertreten. (cr)

Über den Preisträger

Stefan Hell studierte in Heidelberg Physik. Nach seiner Promotion 1990 forschte er als Postdoktorand am European Molecular Biology Laboratory (EMBL) in Heidelberg und wechselte 1993 an die Universität von Turku (Finnland). Dort entwickelte er das Prinzip der STED-Mikroskopie. Von Turku wechselte er 1997 als Leiter einer Max-Planck-Nachwuchsgruppe an das Göttinger MPI für biophysikalische Chemie (heute MPI für Multidisziplinäre Naturwissenschaften), wo er mit seinem Team die Funktionsweise des STED-Verfahrens nachwies und dieses entwickelte. 2002 wurde er dort als Direktor berufen und leitet seitdem die Abteilung NanoBiophotonik. Seit 2016 ist er auch Direktor am MPI für Medizinische Forschung in Heidelberg. Neben dem Chemie-Nobelpreis erhielt Stefan Hell eine Vielzahl weiterer Preise, darunter den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (2008), den Otto-Hahn-Preis für Physik (2009), den Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft (2011) und den Kavli-Preis für Nanowissenschaften (2014).

Über die Stiftung Werner-von-Siemens-Ring

Seit 1916 zeichnet die Stiftung Werner-von-Siemens-Ring alle zwei bis drei Jahre Menschen aus, die die Technikgeschichte entscheidend mitgeprägt haben. Der Preis wird in Form eines jeweils individuell gefertigten Ringes überreicht. Die beeindruckende Liste der Ringträger mit Namen wie Carl von Linde, Carl Bosch, Konrad Zuse, Wernher von Braun und vielen weiteren ist mittlerweile ein Abriss der Technikentwicklung in Deutschland. Als eigenständige, gemeinnützige Stiftung privaten Rechts mit Sitz in Berlin wurde sie anlässlich des 100. Geburtstages von Werner von Siemens am 13. Dezember 1916 gegründet und setzt sich dafür ein, eine lebenswerte Welt zu gestalten und zu verwirklichen.

Weitere interessante Beiträge

Zur Redakteursansicht